Biofilme sind organisierte Gemeinschaften von Mikroorganismen, die an einer Oberfläche haften und von einer selbst gebildeten Matrix umgeben sind. Sie kommen in der Natur, im Haushalt und im menschlichen Körper vor. Nicht jeder Biofilm ist automatisch gefährlich – medizinisch problematisch werden Biofilme vor allem in bestimmten Infektionen, an Zähnen oder auf medizinischen Fremdkörpern.
Wie entsteht ein Biofilm?
Zunächst heften sich einzelne Mikroorganismen an eine Oberfläche. Sie vermehren sich und bilden eine Matrix aus verschiedenen Stoffen, die der Gemeinschaft Struktur gibt. Innerhalb eines reifen Biofilms können Bedingungen entstehen, unter denen Mikroorganismen gegenüber Immunreaktionen und antimikrobiellen Wirkstoffen weniger empfindlich sind als frei schwimmende Zellen.
Wo spielen Biofilme medizinisch eine Rolle?
- Zähne und Zahnfleisch: Zahnbelag ist ein gut bekanntes Beispiel. Regelmäßige mechanische Entfernung und professionelle Vorsorge sind wichtig.
- Chronische Wunden: Biofilme können Teil eines komplexen Wundgeschehens sein und die Behandlung erschweren.
- Katheter und Implantate: An medizinischen Oberflächen können Biofilme mit schwer behandelbaren Infektionen verbunden sein.
- Atemwege: Bei bestimmten chronischen Erkrankungen können Biofilmstrukturen eine Rolle spielen.
Warum sind sie schwerer zu behandeln?
Die schützende Matrix, langsamer wachsende Zellen und unterschiedliche Stoffwechselzustände innerhalb des Biofilms können dazu beitragen, dass Medikamente oder das Immunsystem Mikroorganismen schlechter erreichen. Deshalb sind Diagnostik und Behandlung je nach Ort und Ursache verschieden. Manchmal reicht ein Medikament allein nicht aus; bei medizinischen Fremdkörpern kann beispielsweise auch ein Eingriff erforderlich sein.
Keine pauschale „Biofilm-Reinigung“
Der Begriff wird im Internet häufig für unspezifische Beschwerden verwendet. Daraus lässt sich keine Diagnose ableiten. Nahrungsergänzungsmittel, aggressive Mundspülungen oder selbst zusammengestellte „Biofilm-Protokolle“ ersetzen keine medizinische oder zahnmedizinische Untersuchung. Eine Therapie richtet sich nach dem betroffenen Körperbereich, dem Erregernachweis und der individuellen Situation.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Anhaltende Entzündungszeichen, Fieber, Schmerzen, eine schlecht heilende Wunde oder Beschwerden rund um einen Katheter beziehungsweise ein Implantat sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei Zahnfleischbluten, Schmerzen oder wiederkehrenden Entzündungen ist eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll.
